Donnerstag, Mai 10, 2007

Der Telekomstreik

Folgendes Zitat stammt von Tagesschau.de:

tagesschau.de: Ver.di hat angekündigt, die Telekom-Kunden würden die Auswirkungen des Streiks deutlich spüren. Was haben sie denn zu erwarten?

Lothar Schröder: Längere Wartezeiten, bis ihre Wünsche befriedigt werden. Da wir die Leistungen mit weniger Menschen erbringen, wird alles etwas langsamer gehen, wir können den Kundenservice nicht in der herkömmlichen Qualität anbieten.
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"Längere Wartezeiten":
Wieso, gehts noch länger?! Würde Fernand Braudel in ein paar hundert Jahren leben, so spräche er schon von der Zeit vor diesem denkwürdigen Ereignis in seiner "histoire de telekom" als "la longue durée" - der "Langen Dauer". Da wird er aber wirklich Schwierigkeiten haben, noch eine Steigerung zu finden.
Erstaunlich, wie aktuell auch heute noch die Erkenntnisse längst verstorbener Wissenschaftler sind... (und erstaunlich, dass ich mich mal an etwas aus meinem Studium erinnere!)

"
Qualität":
Qua|li|tät, die; -, -en (Beschaffenheit, Güte, Wert); erste, zweite, mittlere Qualität; nicht in Zusammenhang mit der Deutschen Telekom zu nennen.

Sonntag, Februar 25, 2007

Rücksichtnahme

Zur Zeit geht ein Thema durch die Medien: der Klimawandel.
So fahre ich also in meinem Auto durch die Stadt und denke darüber nach, dass ich eigentlich bald mal wieder tanken müsste. Allerdings, das kostet ja Geld, und davon hab ich im Moment gar nicht so viel. Trotzdem, ich werde wohl nicht drum herum kommen. Aus dem Radio kommt inzwischen keine Musik mehr, sondern es ist Zeit für die Nachrichten. Die EU denkt über verbindliche Klimaschutzregeln nach - die gemeine Glühbirne soll verboten werden - Vorschlag: die KFZ-Steuer abschaffen und dafür den Benzinpreis anheben, damit die Leute mehr Bewusstsein zum Spritsparen entwickeln.
Alles gute Ideen denke ich. Sogar die KFZ-Steuer abzuschaffen und den Benzeinpreis zu erhöhen - klingt sinnvoll, gefällt mir, unterstütze ich sofort!

Doch dann tauchen Zweifel an meinem geistigen Horizont auf. Irgendwie geht das doch nicht. Man muss doch Rücksicht nehmen auf jene, die auf ihr Auto angewiesen sind, jedoch nicht so viel Geld haben; auf Menschen, die sich kein neues, spritsparendes Vehikel leisten können. Und dann dämmert es mir: Egal was die Politiker für Entscheidungen treffen, sie müssen immer Rücksicht auf irgendwen nehmen. Ist ja auch klar, schließlich machen sie Politik für ihre Wähler, und Wähler = Irgendwer = Menschen... Daraus läßt sich also zum Beispiel schließen, dass man den Klimaschutz "sozial verträglich" gestalten muss. Keiner darf zu kurz kommen, auf alle muss Rücksicht genommen werden. Die letzte, die vorletzte, ja sogar die vorvorletzte Konsequenz muss daher ausbleiben - denn: irgendwer leidet immer darunter, und das wollen wir ja verhindern...
Bei so viel zwischenmenschlicher Rücksichtnahme erscheint mir die Menschheit dann doch gar nicht so egoistisch und verdorben. Die Botschaft lautet: Wir sind füreinander da! Wir lassen euch nicht hängen! Wer hätte gedacht, dass beim Nahen größter Gefahr die Menschen so zusammenhalten...
Denn eines ist mal klar: Die Natur nimmt keine Rücksicht - nie! Da beruhigt es doch zu wissen, dass wenigstens wir Menschen noch rücksichtsvoll miteinander umgehen...

Freitag, Februar 16, 2007

Political Correctness


Obama for President!


Dienstag, Januar 23, 2007

Schleichende Verrechtschreibreformung

Nach 1200 Jahren deutscher Sprachgeschichte will ich einfach nicht einsehen, dass ich mein gutes altes Deutsch durch die unnatürliche, schwachsinnige und aufoktroyierte Rechtschreibreform verschandeln lassen soll. Also dacht' ich mir: Nö!
Doch eben macht' ich eine erschreckende Entdeckung. Anstatt monströs daherzukommen und von tapferen Siegfrieden im Kampf Mann gegen Monster nierdergestreckt zu werden, umschleicht uns diese reformierte Reform der Reform geisterhaft und nahezu unsichtbar. Ein Gespenst geht um in Deutschland. Hinterrücks kommt es zu uns aus den verborgenen Untiefen unseres Alltags und haucht uns den Odem der Reform ein. Oder wie erklärt man es sich sonst, dass meine Hände, ohne nachzudenken, "Abschluß" in Word eintippeln, dem wachen Verstande dabei jedoch alsbald gar ungemütlich zu Mute wird. Kalt läuft mir ein Schauer über den Rücken und ich spüre das, aus unergründlichen Tiefen aufsteigende, Verlangen aus dem "ß" ein "ss" zu machen. Die eiskalten Händchen sind verwirrt, habe sie doch noch nie anders geschrieben und sollen nun ... nein, das darf nicht sein. Doch geistgeschwängert presst mein Unterbewußtsein diesen Balg reformatorischer Prostituierten durch meine Nervenbahnen und schließlich gebären meine Hände diese Missgeburt von einem Wort. Und scheiße, es fühlt sich besser an!... so bin ich denn gespenstisch gebannt, werde immer tiefer hinabgerissen von einem Strudel, an dessen Ende ein grausigeres Ungeheuer wartet als Charybdis es je war. Ein gewaltiges Mahlwerk reißt mich in Stücke, verschlingt und verdaut mich in ätzender Säure und scheißt mich am Ende wieder im hohen Bogen zurück in die Wirklichkeit. Ein Scheißhaufen zwar, aber ein reformgetreuer...

If there's something strange
In the neighborhood
Well who ya gonna call?
...

Dienstag, Januar 16, 2007

Gelehrtengebabel

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.
[1. Mose 11, 1-9]

Für eine Wiedererrichtung der Stadt und des Turmes zu Babel! Mögen unsere Gelehrten ihre Elfenbeintürme verlassen und gen Babel pilgern, auf dass man ihre Worte wieder verstehe...

Samstag, Januar 13, 2007

Meinungsfreiheit

Im Wintersemester 2005/2006 besuchte ich die Vorlesung von Prof. Dr. Grieser "Voraussetzungen und Folgen der Wiedervereinigun 1989/90". Bei MeinProf.de habe ich daraufhin folgende Kritk zu dieser Vorlesung geschrieben. Meinen Artikel sowie die Reaktionen darauf möchte ich nun hier präsentieren, denn ich finde die vertretenen Standpunkte ... sehr interessant. Besonders interessant ist allerdings, dass ich mit meiner Meinung über Herrn Grieser ziemlich alleine da stehe, zumindest bei MeinProf.de. Das gibt mir zu denken... allerdings nur, bis ich die Reaktionen auf meine Kritik lese... aber vielleicht sehe ich ja auch das falsch...

Meine Kritk:
Prof. Dr. Grieser... gibt im SS2006 seine letzten Veranstaltungen... und das ist auch gut so! >>Jemand, der die Wiedervereinigung von 1989 (O-Ton: "Kleinst-Deutsche-Lösung") mit der Annektion (O-Ton: "Wiedervereinigung") Österreichts durch Hitler-Deutschland vergleicht und allen ernstes behauptet, damals sei alle "besser" gelaufen, >>jemand der hervorhebt, dass damals nicht nur deutsche Truppen in Wien sondern auch österreichische Truppen in Berlin marschierten um dann zu kritisieren, dass '89 nicht auch DDR-Truppen und Bonn aufmarschierten, >>jemand, der der Meinung ist, auf der Koppel der Bundeswehr müßten nach der Wiedervereinigung auch Hammer und Sichel geprägt sein, >>jemand, der tatsächlich die Meinung vertritt, die Planwirtschaft sei die wahre Wirtschaftsform, >>jemand, der ein Buch hervorholt, um die österreichischen Truppen in Berlin auf Photos zu zeigen, und hinzufügt, dass es sich zwar um ein Buch eines "rechten" Verlegers handelt, er als Historiker soetwas aber natürlich verwenden dürfe... >>jemand, der generell äußerst zweifelhafte Ansichten vertritt, dem totalitäre Regime offenbar näher liegen als die Demokratie, so jemanden darf man eigentlich nicht dozieren lassen. Als fortgeschrittener und kritischer Geschichtsstudent sind seine Veranstaltungen sicherlich von einem gewissen Interesse, und wenn auch nur, um einmal völlig überholte, ja teilweise sogar äußerst zweifelhafte Meinungen zu erfahren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich habe die Beobachtung gemacht, das er nicht gerade unbeliebt bei "älteren Semestern" ist, die noch "jene Zeit" miterlebt haben. Ganze Gruppen finden sich dann in seiner Vorlesung zusammen um kollektiv zu nicken, wenn er wiedereinmal eine wirklich fragwürdige Aussage macht. Es gibt allerdings ebenfalls "Ältere", wie ein paar ehemalige Geschichtslehrer/innen, die aus dem Kopfschütteln kaum noch herauskommen, ja teilweise seinen Veranstaltungen deswegen fern bleiben, weil Prof. Griesers Ansichten für sie einfach nicht tragbar sind. Wirklich gefährlich ist der Mann allerdings, wenn Erstsemester seine Veranstaltungen besuchen. Ihre noch nicht abgelegte "Professorenhörigkeit" und der noch unbedingte Glaube an die "Wahrheit aus dem Munde des Dozenten" lassen sie nur allzu leicht alles hinnehmen, was er sagt... Herr Greiser wird seine akademische Laufbahn nach diesem Semester beenden, warum er so lange dozieren durfte ist mir allerdings ein großes Rätsel...

Verfasser unbekannt:
Wie immer erwies sich der Besuch einer Veranstaltung von Herrn Prof. Grieser als ein wahrer Glücksgriff, da anscheinend nur er es vermag, hohe fachliche Kompetenz und feine Rhetorik miteinander zu verbinden und gleichzeitig aus der Geschichte Lösungsansätze für die Gegenwart abzuleiten, die dem Historiker erst seine Daseinsberechtigung geben. So schilderte Herr Prof. Grieser nicht nur die Ängste Frankreichs und Englands vor der Wiedervereinigung, die beispielsweise darin gipfelten, daß Mitterand einen Präventivkrieg gegen Deutschland erwog, um selbige zu verhindern, sondern erinnerte auch an die erfolgreiche Bevölkerungspolitik der DDR. Dies paßt zwar einerseits in Bezug auf die Wiedervereinigung nicht in das veröffentlichte Geschichtsbild unserer Zeit und bescheinigt uns in Bezug auf den Geburtenrückgang das restlose Versagen der Herrschenden seit über 30 Jahren, bedeutet aber andererseits nur die geschichtliche Wahrheit. Ist es nicht möglich, „bei allem Murks in der DDR“ (O-Ton Grieser) von den Vorteilen der Planwirtschaft zu sprechen, die sich in der Vollbeschäftigung und staatlichen wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten ausdrückten, wenn im Zeitalter der zunehmenden „Globalisierung“ es die herrschenden Versager nur vermochten, die Zahl der Arbeitslosen von einer Vollbeschäftigung Ende der 60er auf 5 Millionen zu Beginn der 90er zu erhöhen, um die Arbeitslosigkeit bis heute, also 15 Jahre später nicht zu beseitigen? Ist es nicht möglich, von einer Wiedervereinigung mit Österreich zu sprechen, wenn es in seiner Geschichte nur ungefähr 80 Jahre lang nicht mit Deutschland verbunden war und 99,7% der Stimmen das neugeschaffene „Großdeutsche Reich“ bejahten? Ist es nicht erfreulich, im übervollen Raum 125 auch mit älteren Kommilitonen sitzen zu dürfen, mit ihnen zu diskutieren oder sich in ein Streitgespräch zu begeben zur Erweiterung des Horizontes aller? An das Zitieren eines Buches eines „rechten Verlegers“ kann ich mich nicht erinnern, wüßte aber auch gar nicht, was ich darunter zu verstehen hätte. Wahrscheinlich ist der Hinweis nur als Ausdruck der„Meinungsfreiheit“ im freiesten Staat, den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat, zu werten, der jüngst zudem dadurch Rechnung getragen wurde, indem man die Kommentare für die Veranstaltungen Herrn Prof. Griesers in seinem letzten Semester im Vorlesungsverzeichnis willkürlich kürzte. Erinnert man sich dann an den fünften Artikel unseres Grundgesetzes („Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“), bleibt nur festzustellen, daß die Demokratie „so“ erst richtig Spaß bereitet! Hadern wir also nicht mit intoleranten Kommilitonen, deren Demokratieverständnis auf furchterregende Absichten schließen läßt, sondern freuen wir uns auf ein weiteres Semester hervorragender Veranstaltungen mit einem Professor, der sich stets in höchster Weise für seine Studenten einsetzt!

Verfasser unbekannt:
Prof. Griesers Veranstaltungen kann ich jedem offenen, ideologisch vorurteilsfreien Interessierten dringend empfehlen. Mit Humor, präzisem Wissen und didaktischer Geschicktheit bringt Grieser Fakten und Ideen an den Mann, von denen man bisher wenig Notiz nahm oder die gezielt von anderen Lehrenden gemieden wurden. So beschäftigt ihn sehr die Frage nach einem Dritten Weg zwischen kommunistischer Planwirtschaft und globalkapitalistischer Ausbeutung. Außerdem erinnert er ganz mit Recht an den deutschen Charakter Österreichs, den nur Narren heute noch leugnen. Nur aufgrund des alliierten Verbotes konnte Österreich 1919 dem deutschen Mutterland nicht beitreten. 1938 geschah dies zur Freude der Mehrheit der Österreicher und Reichsdeutschen, wie Bilder, Filmaufnahmen, Abstimmungen und Stellungnahmen belegen. Ungeachtet dessen wollen Zeitgeistbeflissene darin noch immer eine "Annektion" sehen. Diese Kritik an Griesers Sicht des reichsdeutsch-österreichischen Verhältnisses ist damit der Boden entzogen. Und daß die Vereinigung mit Österreich 1938 besser organisiert war als die mit der DDR 1990, ist auch nicht weiter erwähnenswert. Der Anschluß Österreichs wurde schon lange vorbereitet, während die Wiedervereinigung 1990 den überraschten deutschen Politikern, von denen die meisten von "Einheit" wenig wissen wollten, in den Schoß viel. Grieser ist nicht jemand, der immer nur schwarz malt, sondern immer wieder zeigt, daß wir Deutschen allen Grund haben, uns als ein stolzes, gleichberechtigtes Volk zu sehen und nicht bis ans Ende aller Tage im Büßergewand durch die Welt zu wandeln brauchen, da es neben den traurigen Aspekten im 2. Weltkrieg genügend historische Ereignisse in unserer Geschichte gibt, an denen wir uns erfreuen dürfen. Bemerkenswert ist Griesers Einsatz gegen die Verfremdung der deutschen Sprache durch unnötiges "Denglisch". Grieser ist sein sehr fleißiger und ehrlicher Wissenschaftler, der seinen Studenten überaus fair und voller Hilfsbereitschaft entgegentritt. Er ist mit Herz und Seele nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Erzieher und Wegweisender. Griesers Vorlesungen, Kurse und Seminare sind ein äußerst guter Ausgleich zu denjenigen anderer Dozenten, die nicht selten aus opportunistischen Gründen dem politisch-korrekten Zeitgeist hinterherlaufen und ab und an historisch unrichtige Dinge über die deutsche Geschichte wider besseres Wissen oder aus ideologischer Verbohrtheit als Fakten hinstellen. Man kann Grieser Stil mögen oder nicht, Fakt aber ist: Was er sagt, kann er belegen und begründen - im Gegensatz zu vielen seinen Kritikern, die nur schimpfen oder emotionalisierend von "Untragbarkeit" sprechen, ohne wirkliche Argumente zu liefern. Wer also den Ausschluß von Wissenschaftlern in bestimmten anderen Phasen der deutschen Geschichte kritisiert, heute aber hysterisch daherredet, jemand wie Prof. Grieser dürfe am besten gar nicht dozieren, der muß sich fragen lassen, ob er unfähig zu wissenschaftlichem Diskurs ist oder vielleicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung noch nie verinnerlicht hat. Es möge sich jeder sein eigenes, unabhängiges Urteil bilden. Kommen Sie zu den Veranstaltungen von Professor Grieser!
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Gut, eine vernünftige Einschätzung kann man eh nur abgeben, wenn man Herrn Griesers Veranstaltungen besucht hat, aber dennoch... bin ich nur voreingenommen oder scheint da durch die Reaktionen auf meinen Beitrag etwas "Bedenkliches" durch ...

Mittwoch, November 01, 2006

Schon GEZahlt?

Es ist Mittwoch, ein kalter Herbstag. Heute hat es zum ersten Mal geschneit. Mein letztes Seminar in der Uni ist ausgefallen, weshalb ich heute früher nach Hause komme. Ich schließe die Haustür auf, trete ein und schleppe mich die Treppen in den vierten Stock hoch. Wie üblich versuche ich mir bewußt zu halten, dass ich unbedingt, in meiner Wohnung angekommen, aufschreiben muss, wo ich mein Auto geparkt habe. So versuche ich das allmorgentliche doof in der Gegenrumgegucke um mein Auto wiederzufinden zu verhindern. In aller Regel habe ich, oben angekommen, aber vergessen, dass ich mir das aufschreiben wollte und stehe am nächsten Morgen wie üblich wieder blöde vor der Haustür rum oder laufe mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Heute steht mein Auto direkt vor der Tür, und ich beschließe, dass eine gute Chance besteht, mein Auto morgen früh auch ohne Notiz wiederzufinden.
Ich komme also den letzten Treppenabschnitt hoch und sehe, wie meine Nachbarin mit irgendeinem Typen an der Wohnungstür spricht. Sicher ein Vertreter denke ich. Unsere Blicke begegnen sich und ich lächle sie zur Begrüßung freundlich an. Ihrem Blick entnehme ich, dass es sich wohl um einen Vertreter der nervigen Art handelt. Schnell schließe ich auf und verschwinde in meiner Wohnung. Froh darüber, jetzt entspannen zu können, nehme ich mein Telefon zur Hand, stöpsel das Headset ein, ploppe die Kopfhörer in meine Ohren und wähle. Eine Frau meldet sich auf der anderen Seite... meine Mutter.
Keine fünf Minuten telefoniert, da klingelt es an meiner Tür. Sicher, dass es der nervige Vertreter ist, weigere ich mich, zur Tür zu gehen. Außerdem telefoniere ich! Meiner Weigerung, die Tür zu öffnen, begegnet er mit der Weigerung, den Finger von meinem Klingelknopf zu nehmen. Gut sage ich mir, ist’s halt ein penetranter, nerviger Vertreter. "Bleib’ mal eben dran" bitte ich meine Mutter und begebe mich von dem penetranten, nervigen Vertreter leicht genervt zur Tür. Ich öffne, Stöpsel in den Ohren, Handy in der Hand. "Ja?!" Irgendwas erwidert der Typ, ich hör nicht hin. Stattdessen starre ich auf den kleinen Ausweis den er mir unter die Nase hält. Mein Gott, jetzt ist es doch passiert! CIA ... oh, Verzeihung, GEZ steht da geschrieben. Sofort richten sich bei mir sämtliche Nackenhärchen auf, mein Adrenalinspiegel steigt und ich merke, wie angespannt ich auf einmal bin. "Haben sie einen Fernseher?!" fragt er mich frei heraus. "Nein!" erwidere ich ebenso frei. "Mir ist aber bekannt, dass sie einen Fernseher besitzen!" Ach, wirklich? "Das kann nicht sein!" sage ich und merke, wie mir das Blut ins Gesicht schießt und meine Kehle trocken wird. Der Kerl indes starrt mich unverholen an. "Aha... [gespenstisches Schweigen] …haben sie denn einen Computer?" "Ja." "Wie alt ist der?" "Hmm... zwei Jahre?" "Das ist neu." Schlecht für ihn, dass ich verstehe, das sei ihm neu... "Sagen sie mal, was bilden sie sich eigentlich ein?! Woher wollen Sie denn wissen, wie alt mein PC ist?!" Ganz ruhig klingt es aus meinen Kopfhörern. Der Typ schaut mich etwas verwirrt an, wobei deutlich zu erkennen ist, dass es nicht mein Tonfall ist, der ihn irritiert. Gelassen präzisiert er seine vorherige Aussage: "Der Computer ist neu, meine ich." Hoppla... naja, du gehst mir trotzdem auf den Sack! "Naja... nicht wirklich" entgegne ich gereizt. "Doch, für mein Verständnis ist das neu." Dann zweifle ich an deinem Verstand! "Haben Sie eine TV-Karte?" Nö! "Nein!" "Hmm..." ...wir starren uns an. "Haben sie noch andere Wohnungen?" Oh, ja klar! Wollen Sie nur die innerhalb Deutschlands wissen oder auch die an der Côte d'Azur? "Entschuldigen Sie, ich bin Student, was denken Sie?!" krächze ich ihn an. "Naja, das gibt’s schon, wenn sie zum Beispiel selbstständig sind..." führt er aus. "Nein, habe ich nicht!" Würde ich sonst in dieser Bruchbude wohnen?! "Gut. Wie gesagt, geben tut es das, daß Studenten selbstständig sind, ist allerdings im Promillebereich..." "Aha." "Was haben Sie denn vor Ihrem Studium gemacht?" Oh, small-talk? Vielleicht ist er ja doch ganz nett... "Ich war zwei Jahre beim Bund." "Also Zeitsoldat?" "Nein, FWDL, also 23 Monate um genau zu sein." Gleich fange ich an, ihm von meinen glorreichen Bundeswehrtagen vorzuschwärmen. "Und da haben Sie noch zu Hause gewohnt!?" Meine Familie war die Armee, mein Zuhause das Schützenloch! "Na, Kaserne halt?!" "Aber gemeldet waren Sie bei ihrer Mutter?!" "Ja, weiß nicht, wahrscheinlich." Worauf will der hinaus? "Wieviele Fernseher hatten Sie denn in ihrem Haushalt?" Hält der mich für doof?! "Einen!" "Sie hatten keinen Fernseher in Ihrem Zimmer?!" Ja, tut er! "Nein!" "Ein Radio?" Ob ich ihm jetzt mal von meinem Auto-park-Erinnerungsproblem erzählen sollte?! "Nein...hmm... keine Ahnung... einen Computer halt." Wir starren uns an. Er glotzt, als wisse er mehr als ich, dann nimmt er seinen Stift und streicht den obersten Zettel eines ganzen Stapels, den er in der Hand hält, einmal diagonal durch. "Gut, auf Wiedersehen." Im Leben nicht! Er dreht sich um und geht. Ich schließe die Tür.
"Wo waren wir...?"

Wenig später habe ich einmal juristischen Rat eingeholt und konnte erfahren, dass er nicht das Recht hat, meine Wohnung zu betreten. Gut, das weiß heute schon jedes Kind: "Und das du mir ja nicht den GEZ-Mann in die Wohnung läßt!". >Wer hat Angst vorm schwarzen Mann< ist heute überholt... Was ich aber nicht wusste war, dass er auch keinen Durchsuchungbefehl bekommen kann. Da GEZ-Gebühren nicht zu zahlen eine Ordnungswidrigkeit darstellt, und keine Straftat, gilt die Unversehrtheit der eigenen Wohnung höher. Im schlimmsten Fall könnte mir die GEZ ein Bußgeldbescheid zuschicken, quasi ein Strafzettel für Falschgucker. Aber warum sollten sie das tun...?

Interne Notiz: Türklingel mit einem zusätzlichen Stromkreis, von innerhalb der Wohnung einzuschalten, versehen!

Bodycount

"Wir wissen heute, dass virtuelle Gewalt entweder passiv übers Fernsehen rezipiert wird oder noch schlimmer, aktiv eingeübt am Videospiel, tatsächlich gewalttätig macht. [...] Ein friedfertiger Mensch, der viel Videospiele spielt, ist am Ende gewaltbereiter als ein eher gewaltbereiter Mensch, der gar nichts spielt. Das ist nachgewiesen." (Prof. Dr. Dr. Spitzer)

Seit ich 13 Jahre alt war spiele ich „Killerspiele“. Ich kenne sie alle, habe hunderttausende Menschen und Monster um die Ecke gebracht, sogar über Netzwerk die Alter Egos meiner Freunde gejagt und getötet, und ich habe es gern getan! Und wenn sich heute die Gelegenheit bietet, dann tue ich es wieder…
Mein Spielepensum war so hoch, ich müsste heute mit bald 26 Jahren eigentlich ein Schläger sein, oder besser, Profikiller. Stattdessen bin ich Student für Geschichte, Deutsch und Philosophie. Ich war noch nie in eine Schlägerei verwickelt, wende zur Lösung meiner Probleme keine Gewalt an. In meinen zwei Jahren Bundeswehr, in denen ich mehr als einmal pro Woche ein Sturmgewehr mit scharfer Munition in den Händen hielt, habe ich niemals auch nur daran gedacht einfach durchzudrehen und meine Waffe auf Kameraden zu richten und abzudrücken. Ich bin weitestgehend harmlos. Und bei meinen Freunden sieht es ähnlich aus. Ich kenne wirklich niemanden, den „Killerspiele“ gewaltbereiter gemacht hätten… aber ich kenne viele "Killerspielespieler".

Ich bin es also leid immer wieder zu hören, wie Wissenschaftler, Politiker, Lehrer und Eltern sich über „Killerspiele“ aufregen und sie für unsere ach so gewaltbereite Jugend verantwortlich machen. Zum einen reden sie alle über etwas, dass sie gar nicht selbst kennen, und zum anderen ist die Kausalitätskette doch eher umgekehrt. Denn erst der, der von sich aus gewaltbereit ist, der spielt „Killerspiele“ auch mit einem gewaltbereiten Hintergrund. Die Massaker an amerikanischen, kanadischen und deutschen Schulen sind nicht geschehen, weil die Verantwortlichen „Killerspiele“ gespielt haben; sondern, weil sie ein krankes, gewaltbereites Gehirn hatten, haben sie exzessiv diese Spiele gespielt und haben sich über das normale Maß damit identifiziert.

Die unnatürliche Gewaltbereitschaft entsteht nicht vor dem Computer, es ist die Gesellschaft die dafür verantwortlich ist. Es sind die Eltern, die unfähig sind, ihre Kinder vernünftig zu erziehen. Es sind Politiker, die zuviel reden aber zu wenig tun, so dass tausende Jugendliche ohne Perspektiven aufwachsen. Und leider ist es auch ein Stück weit natürliche Disposition. Gewalt ist der leichteste Weg, um an Aufmerksamkeit und „Anerkennung“ zu gelangen.
Das Problem sind nicht die Medien, das Problem sind die Menschen…