Im Wintersemester 2005/2006 besuchte ich die Vorlesung von Prof. Dr. Grieser "Voraussetzungen und Folgen der Wiedervereinigun 1989/90". Bei MeinProf.de habe ich daraufhin folgende Kritk zu dieser Vorlesung geschrieben. Meinen Artikel sowie die Reaktionen darauf möchte ich nun hier präsentieren, denn ich finde die vertretenen Standpunkte ... sehr interessant. Besonders interessant ist allerdings, dass ich mit meiner Meinung über Herrn Grieser ziemlich alleine da stehe, zumindest bei MeinProf.de. Das gibt mir zu denken... allerdings nur, bis ich die Reaktionen auf meine Kritik lese... aber vielleicht sehe ich ja auch das falsch...
Meine Kritk:
Prof. Dr. Grieser... gibt im SS2006 seine letzten Veranstaltungen... und das ist auch gut so! >>Jemand, der die Wiedervereinigung von 1989 (O-Ton: "Kleinst-Deutsche-Lösung") mit der Annektion (O-Ton: "Wiedervereinigung") Österreichts durch Hitler-Deutschland vergleicht und allen ernstes behauptet, damals sei alle "besser" gelaufen, >>jemand der hervorhebt, dass damals nicht nur deutsche Truppen in Wien sondern auch österreichische Truppen in Berlin marschierten um dann zu kritisieren, dass '89 nicht auch DDR-Truppen und Bonn aufmarschierten, >>jemand, der der Meinung ist, auf der Koppel der Bundeswehr müßten nach der Wiedervereinigung auch Hammer und Sichel geprägt sein, >>jemand, der tatsächlich die Meinung vertritt, die Planwirtschaft sei die wahre Wirtschaftsform, >>jemand, der ein Buch hervorholt, um die österreichischen Truppen in Berlin auf Photos zu zeigen, und hinzufügt, dass es sich zwar um ein Buch eines "rechten" Verlegers handelt, er als Historiker soetwas aber natürlich verwenden dürfe... >>jemand, der generell äußerst zweifelhafte Ansichten vertritt, dem totalitäre Regime offenbar näher liegen als die Demokratie, so jemanden darf man eigentlich nicht dozieren lassen. Als fortgeschrittener und kritischer Geschichtsstudent sind seine Veranstaltungen sicherlich von einem gewissen Interesse, und wenn auch nur, um einmal völlig überholte, ja teilweise sogar äußerst zweifelhafte Meinungen zu erfahren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich habe die Beobachtung gemacht, das er nicht gerade unbeliebt bei "älteren Semestern" ist, die noch "jene Zeit" miterlebt haben. Ganze Gruppen finden sich dann in seiner Vorlesung zusammen um kollektiv zu nicken, wenn er wiedereinmal eine wirklich fragwürdige Aussage macht. Es gibt allerdings ebenfalls "Ältere", wie ein paar ehemalige Geschichtslehrer/innen, die aus dem Kopfschütteln kaum noch herauskommen, ja teilweise seinen Veranstaltungen deswegen fern bleiben, weil Prof. Griesers Ansichten für sie einfach nicht tragbar sind. Wirklich gefährlich ist der Mann allerdings, wenn Erstsemester seine Veranstaltungen besuchen. Ihre noch nicht abgelegte "Professorenhörigkeit" und der noch unbedingte Glaube an die "Wahrheit aus dem Munde des Dozenten" lassen sie nur allzu leicht alles hinnehmen, was er sagt... Herr Greiser wird seine akademische Laufbahn nach diesem Semester beenden, warum er so lange dozieren durfte ist mir allerdings ein großes Rätsel...
Verfasser unbekannt:
Wie immer erwies sich der Besuch einer Veranstaltung von Herrn Prof. Grieser als ein wahrer Glücksgriff, da anscheinend nur er es vermag, hohe fachliche Kompetenz und feine Rhetorik miteinander zu verbinden und gleichzeitig aus der Geschichte Lösungsansätze für die Gegenwart abzuleiten, die dem Historiker erst seine Daseinsberechtigung geben. So schilderte Herr Prof. Grieser nicht nur die Ängste Frankreichs und Englands vor der Wiedervereinigung, die beispielsweise darin gipfelten, daß Mitterand einen Präventivkrieg gegen Deutschland erwog, um selbige zu verhindern, sondern erinnerte auch an die erfolgreiche Bevölkerungspolitik der DDR. Dies paßt zwar einerseits in Bezug auf die Wiedervereinigung nicht in das veröffentlichte Geschichtsbild unserer Zeit und bescheinigt uns in Bezug auf den Geburtenrückgang das restlose Versagen der Herrschenden seit über 30 Jahren, bedeutet aber andererseits nur die geschichtliche Wahrheit. Ist es nicht möglich, „bei allem Murks in der DDR“ (O-Ton Grieser) von den Vorteilen der Planwirtschaft zu sprechen, die sich in der Vollbeschäftigung und staatlichen wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten ausdrückten, wenn im Zeitalter der zunehmenden „Globalisierung“ es die herrschenden Versager nur vermochten, die Zahl der Arbeitslosen von einer Vollbeschäftigung Ende der 60er auf 5 Millionen zu Beginn der 90er zu erhöhen, um die Arbeitslosigkeit bis heute, also 15 Jahre später nicht zu beseitigen? Ist es nicht möglich, von einer Wiedervereinigung mit Österreich zu sprechen, wenn es in seiner Geschichte nur ungefähr 80 Jahre lang nicht mit Deutschland verbunden war und 99,7% der Stimmen das neugeschaffene „Großdeutsche Reich“ bejahten? Ist es nicht erfreulich, im übervollen Raum 125 auch mit älteren Kommilitonen sitzen zu dürfen, mit ihnen zu diskutieren oder sich in ein Streitgespräch zu begeben zur Erweiterung des Horizontes aller? An das Zitieren eines Buches eines „rechten Verlegers“ kann ich mich nicht erinnern, wüßte aber auch gar nicht, was ich darunter zu verstehen hätte. Wahrscheinlich ist der Hinweis nur als Ausdruck der„Meinungsfreiheit“ im freiesten Staat, den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat, zu werten, der jüngst zudem dadurch Rechnung getragen wurde, indem man die Kommentare für die Veranstaltungen Herrn Prof. Griesers in seinem letzten Semester im Vorlesungsverzeichnis willkürlich kürzte. Erinnert man sich dann an den fünften Artikel unseres Grundgesetzes („Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“), bleibt nur festzustellen, daß die Demokratie „so“ erst richtig Spaß bereitet! Hadern wir also nicht mit intoleranten Kommilitonen, deren Demokratieverständnis auf furchterregende Absichten schließen läßt, sondern freuen wir uns auf ein weiteres Semester hervorragender Veranstaltungen mit einem Professor, der sich stets in höchster Weise für seine Studenten einsetzt!
Verfasser unbekannt:
Prof. Griesers Veranstaltungen kann ich jedem offenen, ideologisch vorurteilsfreien Interessierten dringend empfehlen. Mit Humor, präzisem Wissen und didaktischer Geschicktheit bringt Grieser Fakten und Ideen an den Mann, von denen man bisher wenig Notiz nahm oder die gezielt von anderen Lehrenden gemieden wurden. So beschäftigt ihn sehr die Frage nach einem Dritten Weg zwischen kommunistischer Planwirtschaft und globalkapitalistischer Ausbeutung. Außerdem erinnert er ganz mit Recht an den deutschen Charakter Österreichs, den nur Narren heute noch leugnen. Nur aufgrund des alliierten Verbotes konnte Österreich 1919 dem deutschen Mutterland nicht beitreten. 1938 geschah dies zur Freude der Mehrheit der Österreicher und Reichsdeutschen, wie Bilder, Filmaufnahmen, Abstimmungen und Stellungnahmen belegen. Ungeachtet dessen wollen Zeitgeistbeflissene darin noch immer eine "Annektion" sehen. Diese Kritik an Griesers Sicht des reichsdeutsch-österreichischen Verhältnisses ist damit der Boden entzogen. Und daß die Vereinigung mit Österreich 1938 besser organisiert war als die mit der DDR 1990, ist auch nicht weiter erwähnenswert. Der Anschluß Österreichs wurde schon lange vorbereitet, während die Wiedervereinigung 1990 den überraschten deutschen Politikern, von denen die meisten von "Einheit" wenig wissen wollten, in den Schoß viel. Grieser ist nicht jemand, der immer nur schwarz malt, sondern immer wieder zeigt, daß wir Deutschen allen Grund haben, uns als ein stolzes, gleichberechtigtes Volk zu sehen und nicht bis ans Ende aller Tage im Büßergewand durch die Welt zu wandeln brauchen, da es neben den traurigen Aspekten im 2. Weltkrieg genügend historische Ereignisse in unserer Geschichte gibt, an denen wir uns erfreuen dürfen. Bemerkenswert ist Griesers Einsatz gegen die Verfremdung der deutschen Sprache durch unnötiges "Denglisch". Grieser ist sein sehr fleißiger und ehrlicher Wissenschaftler, der seinen Studenten überaus fair und voller Hilfsbereitschaft entgegentritt. Er ist mit Herz und Seele nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Erzieher und Wegweisender. Griesers Vorlesungen, Kurse und Seminare sind ein äußerst guter Ausgleich zu denjenigen anderer Dozenten, die nicht selten aus opportunistischen Gründen dem politisch-korrekten Zeitgeist hinterherlaufen und ab und an historisch unrichtige Dinge über die deutsche Geschichte wider besseres Wissen oder aus ideologischer Verbohrtheit als Fakten hinstellen. Man kann Grieser Stil mögen oder nicht, Fakt aber ist: Was er sagt, kann er belegen und begründen - im Gegensatz zu vielen seinen Kritikern, die nur schimpfen oder emotionalisierend von "Untragbarkeit" sprechen, ohne wirkliche Argumente zu liefern. Wer also den Ausschluß von Wissenschaftlern in bestimmten anderen Phasen der deutschen Geschichte kritisiert, heute aber hysterisch daherredet, jemand wie Prof. Grieser dürfe am besten gar nicht dozieren, der muß sich fragen lassen, ob er unfähig zu wissenschaftlichem Diskurs ist oder vielleicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung noch nie verinnerlicht hat. Es möge sich jeder sein eigenes, unabhängiges Urteil bilden. Kommen Sie zu den Veranstaltungen von Professor Grieser!
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Gut, eine vernünftige Einschätzung kann man eh nur abgeben, wenn man Herrn Griesers Veranstaltungen besucht hat, aber dennoch... bin ich nur voreingenommen oder scheint da durch die Reaktionen auf meinen Beitrag etwas "Bedenkliches" durch ...